Indica vs. Sativa: die Unterschiede
Indica vs. Sativa, Sativa vs. Indica: Die Unterschiede zwischen beiden Cannabisvarianten sind doch wohl klar, nicht wahr? Sicherlich hast auch du schon gehört (und wahrscheinlich auch selbst erlebt), dass indica-lastige Sorten eher für ein “Body-High” sorgen, während Sativa-Sorten einen eher zerebralen Rausch auslösen. Dies steht jedoch aktuell auf dem Prüfstand, da Forscher nun herausgefunden haben, dass diese Kategorisierung so nicht mehr haltbar ist. Die bisherige und gewohnte Einteilung sah im Detail wie folgt aus:
Indica
- dichte Buds
- breite, dunkelgrüne Blätter
- wirkt auf viele entspannend und schlaffördernd
- kleine, kompakte Pflanzen
- High wird zumeist als körperlastig beschrieben
- Vor allem Kush-Sorten
Sativa
- eher luftige Buds
- lange und schmale Blätter
- wirkt auf Viele anregend, appetitfördernd und motivierend
- hochgewachsene, schlaksige Pflanzen
- High wird zumeist als kopflastig beschrieben
- Vor allem Haze-Sorten
Wie kam es zur Einteilung in Indica und Sativa?
Hier noch ein wenig Hintergrundwissen zur Kategorisierung der beiden Sorten: Bekanntermaßen wurde Cannabis bereits seit Jahrtausenden als Heil- und Nutzpflanze eingesetzt. Im 18. Jahrhundert kam der schwedische Forscher Carl von Linné zum ersten Mal direkt mit der Hanfpflanze Cannabis sativa in Kontakt[1] und gab ihr ihren heute noch typischen Namen. “Sativa” bedeutet übrigens gewöhnlich – schließlich ging von Linné davon aus, dass es sich beim Cannabis um eine Pflanze handelte, die keine weiteren Arten aufwies.
30 Jahre später wendete sich das Blatt jedoch: Der Franzose Jean-Baptiste de Lamarck entdeckte in Indien eine Cannabisart, die sich deutlich von den bekannten Hanfgewächsen unterschied und nannte sie dem Fundort entsprechend “Cannabis indica” – indischer Hanf.
Gibt es nur Sativa und Indica oder noch weitere Cannabissorten?
Wer sich ein wenig mit Cannabis auskennt, weiß wahrscheinlich, dass es nicht nur Indicas und Sativas, sondern noch zwei weitere Gattungen gibt: Hybride und Cannabis Ruderalis. Bei Hybriden handelt es sich, wie der Name es bereits vermuten lässt, um eine Kreuzung von Sativa und Indica-Sorten. Generell ist zu sagen, dass es durch die langjährigen genetischen Veränderungen und Kreuzungen der unterschiedlichen Sorten heutzutage prinzipiell kaum “reine” Indicas oder Sativas gibt, sondern es sich viel eher um indica-lastige oder sativa-lastige Sorten handelt.
Für Züchter bieten Hybrid-Varianten viele Vorteile, da man gezielt bestimmte Eigenschaften und somit auch Wirkungen erzielen kann: Dazu gehört in erster Linie das Verhältnis von THC zu CBD, was gerade bei medizinischem Cannabis von großer Bedeutung ist.
Noch komplexer wird die Einteilung der Cannabissorten, wenn man den Blick auf Ruderalis-Pflanzen richtet: Hierbei handelt es sich sogar nicht um eine Unterart von Cannabis, sondern um eine eigene Pflanzengattung, die mit einem sehr geringen THC-Gehalt daherkommt. Ruderalhanf kommt wildwachsend vor allem in Russland und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion vor.
Für die meisten Freizeitkonsumenten sollte Ruderalis jedoch nicht besonders spannend sein, da die Pflanze keine psychoaktiven Wirkungen zeigt und – aufgrund ihres sehr hohen CBD-Gehalts – in erster Linie medizinisch nutzbar ist. Dies gilt insbesondere für Patienten, die zwar eine Cannabistherapie wünschen, aber auf psychoaktive Effekte verzichten möchten. Cannabis Ruderalis wird zudem auch als Nutzhanf eingesetzt.
Indica vs. Sativa: Warum stimmt die Einteilung nicht mehr?
Auch wenn die meisten Konsumenten sich an die Indica-Sativa-Kategorisierung gewöhnt haben, deutet immer mehr darauf hin, dass diese strikte Einteilung mittlerweile überholt ist:[3] So gab es unter anderem eine Forschungsreihe, in der Wissenschaftler über 100 Proben verschiedener Cannabissorten untersucht haben. Hierbei wurde das vollständige Erbgut, bis hin zu den jeweiligen genetischen Ursprüngen der Pflanze, unter die Lupe genommen.
Das Ergebnis? Zwar gibt es unterschiedliche Hanf-Linien, der Ursprung aller Cannabis-Pflanzen ist jedoch die Urpflanze Cannabis sativa. Ein weiterer Aspekt, der die Forscher an der bisherigen Kategorisierung zweifeln lässt, ist die Einteilung der Pflanzen nach äußeren, chemischen oder geografischen Merkmalen (beispielsweise „Indica“) – auch diese scheint so nicht mehr haltbar zu sein.
Alternativkategorie “Chemovare” – was ist das?
Aufgrund der aktuellen, neuen Forschungsresultate gibt es immer mehr Wissenschaftler und Botaniker, die die bisherige Kategorisierung von Cannabis aufheben möchten. Sie schlagen daher vor, Cannabispflanzen nach ihrem chemischen Profil zu kategorisieren, in sogenannte “Chemovare”.
Diese Bezeichnung umfasst dabei nicht nur das Verhältnis von THC zu CBD, sondern auch das Terpenprofil sowie die Kombination weiterer Cannabinoide. So wirkt beispielsweise das Cannabinoid THCP noch stärker psychoaktiv als THC, weshalb der Gehalt an THCP in Zukunft womöglich darüber entscheidet, welche als stärkste Cannabissorte der Welt gilt.
Weitere Faktoren, die die Wirkung von Cannabisblüten beeinflussen können, sind die Wachstumsbedingungen der einzelnen Pflanzen, zu denen in erster Linie Luftfeuchtigkeit, Temperatur sowie Lichtverhältnisse zählen. Die Forschung an der richtigen Kategorisierung von Cannabispflanzen ist somit noch längst nicht abgeschlossen und wird mit Sicherheit noch die ein oder andere Überraschung bereithalten.
Trotz Chemovaren: Indica und Sativa bieten erste Orientierung
Indica vs. Sativa? Die Antwort könnte tatsächlich ganz anders lauten, denn die neue Einteilung von Cannabispflanzen in Chemovare scheint aufgrund der aktuellen Forschungserkenntnisse durchaus sinnvoll und angebracht zu sein.
Dennoch kann die grobe, traditionelle Kategorisierung in Indica und Sativa gerade für Freizeitkonsumenten weiterhin einen wichtigen Anhaltspunkt über die Wirkung von Cannabissorten bieten.
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