LSD Derivate sind chemisch abgewandelte Formen von Lysergsäurediethylamid, die eine nahezu identische Wirkung wie das Original entfalten sollen. In Deutschland fallen die meisten bekannten LSD Derivate mittlerweile unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) und sind damit illegal. Trotzdem tauchen regelmäßig neue Substanzen auf, die sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen – ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Chemikern und Gesetzgeber.
Was ist Acid? LSD als Droge verstehen
Acid ist der wohl bekannteste Szene-Name für LSD (Lysergsäurediethylamid) – eine der potentesten psychoaktiven Substanzen überhaupt. Bereits ab etwa 20 Mikrogramm kann die Acid Droge Wahrnehmungsveränderungen auslösen. Um LSD Derivate zu verstehen, brauchst du zunächst ein Grundverständnis der Ausgangssubstanz.
LSD gehört zur Gruppe der Halluzinogene und wurde 1938 vom Schweizer Chemiker Albert Hofmann bei Sandoz synthetisiert. Die psychoaktive Wirkung entdeckte Hofmann allerdings erst 1943 – per Zufall, als er eine winzige Menge über die Haut aufnahm. Was folgte, war der erste dokumentierte Acid Trip der Geschichte.
Als Acid Droge wird LSD auf der Straße unter zahlreichen Namen gehandelt: Acid, Trips, Pappen, Tickets oder schlicht „Säure“ (eine direkte Übersetzung von „acid“). In Deutschland fällt LSD unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG, Anlage I) – Herstellung, Handel, Besitz und Erwerb sind strafbar. Genau diese Illegalität hat die Entwicklung von LSD Derivaten erst angestoßen.
Prodrugs und Derivate: Was ist das eigentlich?
Ein Derivat ist eine chemisch abgewandelte Version einer Grundsubstanz, bei der einzelne Atome oder Atomgruppen ausgetauscht wurden – die Kernstruktur bleibt aber erhalten. Eine Prodrug geht noch einen Schritt weiter: Sie ist pharmakologisch zunächst inaktiv und wird erst im Körper zur eigentlichen Wirksubstanz umgewandelt.
Kurzer Ausflug in die Chemie: Bei einem Derivat (vom lateinischen „derivare“ – ableiten) wird typischerweise ein Wasserstoff-Atom oder eine funktionelle Gruppe durch ein anderes Element ersetzt. Die Molekülstruktur verändert sich dadurch leicht, die grundlegenden Eigenschaften bleiben aber erhalten.
Prodrugs nutzen dieses Prinzip gezielt. Sie tragen eine chemische „Verkleidung“, die erst durch Stoffwechselprozesse – etwa durch Enzyme in der Leber – abgespalten wird. Übrig bleibt die aktive Substanz. Bei LSD Derivaten wie 1P-LSD oder 1cP-LSD bedeutet das konkret: Der Körper spaltet die angehängte Gruppe ab, und es entsteht gewöhnliches LSD.
Der entscheidende Punkt: Ein LSD-Derivat und eine LSD-Prodrug sind nicht dasselbe, auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden. Alle gängigen LSD-Prodrugs sind zwar Derivate, aber nicht jedes Derivat muss zwingend eine Prodrug sein. In der Praxis sind die meisten auf dem Markt erhältlichen LSD-Derivate allerdings gleichzeitig Prodrugs.
Pharmakologie: Lysergsäurediethylamid und seine Derivate
Lysergsäurediethylamid – so der vollständige chemische Name von LSD – gehört zur Stoffklasse der Lysergamide. Alle LSD Derivate basieren auf dem Grundgerüst der Lysergsäure und interagieren primär mit dem Serotonin-5-HT2A-Rezeptor im Gehirn, der als Hauptvermittler der psychedelischen Wirkung gilt.
Lysergid (der internationale Freiname für LSD) bindet als partieller Agonist an den 5-HT2A-Rezeptor und löst dort eine Signalkaskade aus, die normale Filterprozesse im Gehirn verändert. Die Folge: Sinneseindrücke werden intensiver wahrgenommen, visuelle Muster entstehen, und das Zeitgefühl verändert sich. LSD beeinflusst zusätzlich Dopamin-Rezeptoren (D2) sowie weitere Serotonin-Subtypen.
Was LSD Derivate pharmakologisch so interessant macht: Da Prodrugs wie 1P-LSD oder 1cP-LSD im Körper zu LSD metabolisiert werden, ist das Wirkprofil nahezu identisch. Unterschiede zeigen sich hauptsächlich beim Wirkungseintritt – Prodrugs brauchen etwas länger, weil der Körper die Substanz erst umwandeln muss. Erfahrungsberichte sprechen von einem um 15-30 Minuten verzögerten Beginn im Vergleich zu reinem LSD.
Die Serotonin-Rezeptoren spielen dabei die zentrale Rolle. Ohne die Affinität zum 5-HT2A-Rezeptor gäbe es keine psychedelische Wirkung – und ohne diese Wirkung wären LSD-Derivate für den Markt schlicht uninteressant.
LSD-Pappen und -Trips: Konsumformen und Szenesprache
Wer sich mit LSD und seinen Derivaten beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie „Pappe“, „Pappen“ oder „Trips“. Die Pappe Droge – so der umgangssprachliche Ausdruck – bezeichnet kleine, mit LSD oder einem LSD-Derivat getränkte Löschpapier-Stückchen (sogenannte Blotter), die oft mit bunten Motiven bedruckt sind.
Die gängigsten Konsumformen von LSD und LSD-Derivaten:
| Konsumform | Beschreibung | Wirkungseintritt |
|---|---|---|
| Blotter/Pappen | Getränktes Löschpapier, sublingual eingenommen | 30-90 Minuten |
| Liquid | Flüssige Lösung, oft auf Zuckerwürfel getropft | 20-60 Minuten |
| Microdots | Kleine Tabletten/Pellets | 30-90 Minuten |
| Gel Tabs | Gelatine-basierte Träger | 20-60 Minuten |
Die Trips Droge – ein weiterer Szene-Begriff – leitet sich direkt vom englischen „Trip“ (Reise) ab und beschreibt sowohl die Substanz selbst als auch den Rauschzustand. Ein Acid Trip dauert typischerweise 8-12 Stunden, bei LSD-Derivaten kann die Dauer vergleichbar oder leicht kürzer ausfallen.
Beim LSD Trip ist die Dosierung ein kritischer Faktor. Anders als bei vielen anderen psychoaktiven Substanzen bewegen sich wirksame Mengen im Mikrogramm-Bereich. Eine typische Blotter-Dosis liegt bei 100-200 µg – das macht eine präzise Dosierung ohne Laborequipment praktisch unmöglich.
Geschichte und Entwicklung der LSD-Derivate
Die Geschichte der LSD Derivate beginnt nicht erst mit dem Internet-Zeitalter. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren experimentierten Chemiker wie Alexander Shulgin mit Abwandlungen der Lysergsäure-Struktur. Doch der eigentliche Boom startete Mitte der 2010er Jahre.
2015 tauchte 1P-LSD erstmals auf dem Markt auf – vertrieben als „Forschungschemikalie“ (Research Chemical), offiziell nicht für den menschlichen Konsum bestimmt. Da die Substanz weder im BtMG noch im damals noch jungen NpSG gelistet war, konnte sie legal verkauft werden. Das war der Startschuss.
Was folgte, war eine regelrechte Derivate-Welle: 1cP-LSD erschien 2019, 1V-LSD kam 2021 auf den Markt. Jedes neue Derivat füllte die Lücke, die das Verbot des Vorgängers hinterlassen hatte. Die Suche nach legalen Psychedelika trieb die Entwicklung voran.
Parallel dazu erlebt die Forschung eine sogenannte „psychedelische Renaissance“. Universitäten und Kliniken weltweit – darunter die Charité in Berlin und die Johns Hopkins University – untersuchen das therapeutische Potenzial von Psychedelika bei Depressionen, PTBS und Suchterkrankungen. Diese Forschung nutzt allerdings kontrolliertes LSD oder Psilocybin, keine Research Chemicals.
Welche LSD-Derivate gibt es - und welche sind noch legal?
Die Liste bekannter LSD Derivate ist lang, und sie wächst weiter. Die meisten dieser Substanzen sind gleichzeitig Prodrugs: Sie werden im Körper zu LSD umgewandelt und erzeugen eine vergleichbare Wirkung. Fast alle bekannten Derivate sind mittlerweile in Deutschland verboten.
| Derivat | Erstmals aufgetaucht | Rechtsstatus (DE) |
|---|---|---|
| 1P-LSD | 2015 | Verboten (NpSG) |
| 1cP-LSD | 2019 | Verboten (NpSG) |
| 1V-LSD | 2021 | Verboten (NpSG) |
| 1D-LSD | 2022 | Verboten (NpSG) |
| 1T-LSD | 2022 | Verboten (NpSG) |
| 1B-LSD | 2022 | Verboten (NpSG) |
| 1DD-LSD | – | Verboten (NpSG) |
| 1BP-LSD | 2024 | Grauzone / nicht explizit gelistet |
| 1Fe-LSD | 2024 | Grauzone / nicht explizit gelistet |
Besonders spannend für viele Interessierte: 1BP-LSD und 1Fe-LSD. Diese neueren Derivate sind zum Zeitpunkt der letzten Recherche (2025) noch nicht namentlich im NpSG aufgeführt. Das heißt allerdings nicht automatisch, dass sie legal sind – denn das NpSG erfasst inzwischen ganze Stoffgruppen, nicht nur Einzelsubstanzen. Ein Blick in aktuelle Angebote zu 1BP-LSD zeigt, dass einige Shops diese Substanzen noch vertreiben. Erfahrungsberichte zu 1Fe-LSD sind bislang begrenzt, da die Substanz noch vergleichsweise neu ist.
Zum Thema Microdosing: Einige Anwender nutzen LSD-Derivate für sogenanntes Microdosing – die Einnahme sub-psychedelischer Dosen (etwa 1/10 einer Standarddosis). Die wissenschaftliche Evidenz für die behaupteten Vorteile ist allerdings dünn, und auch beim Microdosing greift die Rechtslage.
LSD-Derivate und das NpSG
Das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) trat 2016 in Kraft und ist das zentrale rechtliche Instrument gegen LSD Derivate in Deutschland. Anders als das BtMG, das einzelne Substanzen listet, kann das NpSG ganze Stoffgruppen erfassen – ein entscheidender Unterschied.
Die Ausgangslage ist klar: LSD selbst steht im BtMG (Anlage I) und ist damit als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel eingestuft. Handel, Abgabe und Besitz werden strafrechtlich verfolgt. Als 2015 dann 1P-LSD auftauchte – chemisch nah genug an LSD, um dieselbe Wirkung zu erzeugen, aber eben nicht identisch – griff das BtMG nicht.
Der Gesetzgeber reagierte über das NpSG: 1P-LSD wurde aufgenommen. Doch kaum war ein Derivat verboten, erschien das nächste. 1cP-LSD folgte auf 1P-LSD, 1V-LSD auf 1cP-LSD. Ein Muster, das sich bis heute wiederholt.
2022 verschärfte die Bundesregierung das NpSG deutlich. Statt einzelner Substanzen wurden nun Stoffgruppenverbote eingeführt, die theoretisch auch noch nicht entdeckte Derivate abdecken sollen. Karl Lauterbachs Gesundheitsministerium leistete sich bei der Verbotsverordnung von 1V-LSD allerdings eine Panne: Zwischen dem Verbot des alten und dem Inkrafttreten des neuen Stoffgruppenverbots klaffte ein kurzes Zeitfenster, in dem vorübergehend kein passendes Verbot galt.
Risiken und Nebenwirkungen von LSD-Derivaten
LSD-Derivate sind nicht harmlos – auch wenn die Toxizität von LSD selbst im Vergleich zu vielen anderen psychoaktiven Substanzen als gering eingestuft wird. Bei Research Chemicals kommen zusätzliche Risiken hinzu, die über die bekannten LSD-Risiken hinausgehen.
Die bekannten Risiken von LSD und seinen Derivaten im Überblick:
Psychische Risiken
Die größte akute Gefahr geht nicht vom Körper, sondern von der Psyche aus. Ein sogenannter „Bad Trip“ – eine angstdominierte psychedelische Erfahrung – kann zu Panikattacken, paranoiden Zuständen und in seltenen Fällen zu selbstgefährdendem Verhalten führen. Personen mit einer Veranlagung für psychotische Störungen sind besonders gefährdet. Auch Flashbacks (HPPD – Hallucinogen Persisting Perception Disorder) sind dokumentiert, bei denen Wahrnehmungsstörungen Wochen oder Monate nach dem Konsum spontan wieder auftreten.
Spezifische Risiken bei Research Chemicals
Bei LSD-Derivaten kommt ein Problem hinzu, das reines LSD nicht hat: fehlende Forschungsdaten. Während LSD seit über 80 Jahren bekannt ist und zahlreiche Studien zur Toxikologie existieren, gibt es für die meisten Derivate keine Langzeitstudien. Niemand weiß sicher, ob die angehängten chemischen Gruppen – bevor sie im Körper abgespalten werden – eigene toxische Effekte haben.
Dazu kommen Qualitätsprobleme: Ohne pharmazeutische Standards variiert die Dosierung von Blotter zu Blotter. Eine vermeintliche 100-µg-Pappe kann deutlich mehr oder weniger enthalten.
LSD-Derivate: Ein Katz-und-Maus-Spiel ohne absehbares Ende
LSD Derivate werden von vielen als „legales LSD“ verstanden – eine Bezeichnung, die juristisch auf dünnem Eis steht. Sobald ein neues Derivat auf dem Markt auftaucht und Aufmerksamkeit erregt, folgt über kurz oder lang die Aufnahme ins NpSG. Mittlerweile greift der Gesetzgeber nicht mehr nur einzelne Substanzen, sondern ganze Stoffgruppen ab.
Trotzdem lässt sich der Markt nicht einfach abschalten. Die chemische Synthese neuer Derivate erfordert zwar Expertise, bewegt sich aber in einem Bereich, den spezialisierte Labore beherrschen. Solange LSD selbst illegal bleibt, wird es vermutlich immer wieder neue Versuche geben, die Gesetzgebung zu umgehen.
Gleichzeitig wächst die Debatte um eine mögliche Regulierung. Wenn du dich umfassend über den gesamten Themenkomplex LSD informieren willst – von der Geschichte über die Wirkung bis zur aktuellen Rechtslage – findest du bei uns alle relevanten Hintergründe.






