Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte? Falls du auch zu den Menschen gehörst, für die der Cannabisanbau Neuland ist, hast du dir Fragen wie diese mit großer Wahrscheinlichkeit schon öfter gestellt.
Egal wo du deine Cannabispflanze anbauen möchtest – tatsächlich ist die Frage nach der typischen Erntedauer nicht pauschal zu beantworten, da es unter anderem darauf ankommt, ob du Indoor- oder Outdooranbau betreibst und welche Art von Cannabissorten du einsetzt.
Doch keine Sorge – dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel!
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie für Grow-Enthusiasten, in der wir tief in die Details der Pflanzenphysiologie und Technik eintauchen. Alles Wissenswerte über Genetik, Nährstoffe und das ideale Setup findest du in unserem großen Anbau-Ratgeber. Zum Cannabis Anbau-Ratgeber
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Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte? Die wichtigsten Faktoren im Überblick
Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte? Falls du zu den Menschen gehörst, für die der Cannabisanbau Neuland ist, hast du dir Fragen wie diese mit großer Wahrscheinlichkeit schon öfter gestellt. Egal ob du deine Cannabispflanze indoor oder outdoor anbauen möchtest – die Frage nach der typischen Erntedauer lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt unter anderem davon ab, ob du Indoor- oder Outdooranbau betreibst, welche Genetik du einsetzt und ob du mit Samen oder Stecklingen startest.
In unserem umfassenden Cannabis-Anbau-Ratgeber findest du alle Grundlagen für einen erfolgreichen Grow. In diesem Artikel konzentrieren wir uns gezielt auf die Zeitplanung: Wann ist deine Hanfpflanze erntereif, wie erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt anhand der Trichome, und welche Unterschiede gibt es zwischen Autoflower, photoperiodischen Sorten, Indoor- und Outdoor-Anbau?
Rechtlicher Hinweis zum Eigenanbau: Der private Anbau von Cannabis ist in Deutschland seit dem 1. April 2024 unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Das Konsumcannabisgesetz (KCanG) gestattet Personen ab 18 Jahren den Anbau von bis zu drei Cannabispflanzen zum Eigenkonsum. Beachte die geltenden Besitz- und Mengengrenzen. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Aufforderung zum Verstoß gegen geltendes Recht dar.
Der Cannabis-Lebenszyklus im Schnellüberblick
Bevor wir ins Detail gehen, hilft es, die grundlegenden Wachstumsphasen einer Cannabispflanze zu kennen. Jede Phase hat ihre eigene Dauer, die du durch Anbaubedingungen, Genetik und Methodik beeinflussen kannst:
Phase
Dauer (Richtwert)
Besonderheit
Keimung
1 – 7 Tage
Samen quillt auf, Keimwurzel bricht durch
Sämling
1 – 3 Wochen
Erste Blattpaare, empfindlich gegenüber Staunässe
Vegetationsphase
3 – 16 Wochen
Indoor steuerbar durch Lichtzyklus (18/6)
Blütephase
7 – 12 Wochen
Eingeleitet durch 12/12-Lichtzyklus (photoperiodisch)
Ernte, Trocknung & Curing
2 – 8 Wochen
Trocknung ca. 7–14 Tage, Curing ab 2 Wochen
Die Gesamtdauer vom Samen bis zum fertigen, ausgehärteten Endprodukt kann somit zwischen 10 Wochen (schnelle Autoflower) und über 32 Wochen (langsame Sativa outdoor) betragen. Schauen wir uns die einzelnen Szenarien genauer an.
Wie lange braucht eine Hanfpflanze bis zur Ernte outdoor?
Outdoor-Cannabis in Mitteleuropa: Die Blüte wird durch die natürlich kürzer werdenden Tage ab Juli/August eingeleitet.
Wie anfangs bereits erwähnt, ist die Frage „Wie lange braucht eine Hanfpflanze bis zur Ernte outdoor?“ nicht eindeutig zu beantworten, da es auf unterschiedliche Faktoren ankommt. Wichtig sind hierbei besonders die Pflege (Nährstoffe, Dünger, Wasser), die vorherrschenden Bedingungen (unter anderem die Luftfeuchtigkeit) sowie die Jahreszeit, in der du dein Cannabis anbaust. Schließlich spielt die Tageslichtlänge, aber auch die Temperatur bei Outdoor-Cannabis eine besonders große Rolle, da diese Faktoren nicht manuell steuerbar sind.
Generell liegt der Zeitraum zwischen 8 und 12 Wochen Blütezeit, wobei die meisten regulären photoperiodischen Sorten nach ca. 10 Wochen Blütephase erntereif sind. Die Blütephase wird beim Outdoor-Anbau durch die natürlichen Lichtverhältnisse eingeleitet – konkret durch die Verkürzung der Tageslichtstunden im Spätsommer. In Mitteleuropa beginnt dieser Prozess meist Ende Juli bis Mitte August.
Saisonkalender für Outdoor-Cannabis in Mitteleuropa
Ein typischer Outdoor-Grow in Deutschland folgt diesem Zeitplan:
April – Mai: Keimung und Vorziehen der Sämlinge (drinnen oder im Gewächshaus)
Mai – Juni: Auspflanzen nach den Eisheiligen, Beginn der Vegetationsphase
Juli – August: Übergang in die Blütephase durch natürlich kürzer werdende Tage
September – Oktober: Erntezeitfenster für die meisten Indica- und Hybrid-Sorten
Oktober – November: Späte Ernte für langsam blühende Sativa-Sorten
Erfahrungsgemäß sind Indica-dominante Sorten beim Outdoor-Anbau die zuverlässigere Wahl in Mitteleuropa, da sie kürzere Blütezeiten aufweisen und besser mit kühlen Herbstnächten zurechtkommen. Reine Sativa-Sorten mit Blütezeiten von 10 Wochen oder mehr bergen das Risiko, dass Frost oder hohe Luftfeuchtigkeit die Ernte vor der Reife gefährden.
Darüber hinaus gibt es sogenannte Cannabis Fast Flowers – Sorten, die jedoch eine kürzere Blütezeit (in der Regel weniger als 7 Wochen) benötigen. Cannabis Fast Flowers, die outdoor angebaut werden, können daher deutlich früher im Herbst geerntet werden und eignen sich besonders für Regionen mit kurzer Anbausaison.
Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte (indoor)?
Baust du deine Cannabispflanzen indoor an, hast du die Länge der Periode bis zur Ernte selbst in der Hand. Schließlich kannst du die Pflanzen jederzeit in die Blüte schicken, indem du den Lichtzyklus umstellst, damit die Vegetationsphase (auch Wachstumsphase genannt) unterbrichst und die Blütephase einleitest. Wann du dies genau machst, kommt auf unterschiedliche Faktoren an.
Möchtest du beispielsweise aus Platzmangel ein weiteres Wachstum an Blättern und Stängeln verhindern, sodass deine Pflanzen nicht zu groß für die Growbox werden, kannst du die Blüte relativ früh einleiten. Allgemein gilt für photoperiodische Indoor-Cannabispflanzen, dass die Blüte nach 4 Wochen des Wachstums eingeleitet werden kann – du kannst deinen Hanfpflanzen aber auch eine längere vegetative Phase zugestehen, wenn du den Platz hast und größere Pflanzen mit potenziell mehr Blütenständen anstrebst.
Blütezeiten nach Sortentyp (Indoor)
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über typische Blütezeiten bekannter Sorten beim Indoor-Anbau:
Schnelle Blüher (ca. 7 – 8 Wochen Blütezeit)
Langsame Blüher (ca. 8 – 10 Wochen Blütezeit)
Northern Lights
Gorilla Haze
Jilly Bean
Caribbean Dream
Nehmen wir als Beispiel eine Sativa-dominante Sorte wie Gorilla Haze. Diese hat eine Blütephase von 10 – 11 Wochen, sodass der gesamte Zeitraum bis zur Ernte mindestens 15 Wochen beträgt – wenn du die 4 Wochen in der vegetativen Phase nicht unterschreiten möchtest, was für eine gesunde Pflanzenentwicklung empfehlenswert ist.
Einige Studien zeigen übrigens, dass die weit verbreitete 12/12-Lichtperiode in der Blütephase unter Umständen nicht für alle Sorten optimal ist. Manche Grower experimentieren mit leicht abweichenden Lichtzyklen (z. B. 11/13), um bestimmte Genetiken schneller zur Reife zu bringen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass 12/12 für die allermeisten photoperiodischen Sorten zuverlässig funktioniert und sich als Standard bewährt hat.
Praxis-Tipp: Beim Indoor-Grow hat sich eine Lichtperiode von 18/6 (18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit) in der Wachstumsphase bewährt. Viele Grower berichten, dass ein Wechsel auf 12/12 nach 4–6 Wochen vegetativer Phase die Blüte zuverlässig einleitet und ein gutes Gleichgewicht zwischen Pflanzengröße und Blüteentwicklung ergibt.
Wie lange brauchen Autoflower bis zur Ernte?
Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte, wenn es sich dabei um eine Autoflower handelt? Autoflowers, auch Automatics genannt, sind Cannabissorten, die Cannabis-Ruderalis-Genetik enthalten und bereits nach einer kurzen Wachstumszeit von 3 – 4 Wochen selbstständig in die Blüte gehen. Gerade als unerfahrener Grower ist es eine Erleichterung, dass du dich in diesem Fall nicht um die Anpassung des Beleuchtungszyklus kümmern musst, wie es bei photoperiodischem Cannabis der Fall ist.
Wie lange Autoflowers genau bis zur Ernte benötigen, hängt (egal ob indoor oder outdoor) primär von der gewählten Genetik ab. Hier eine Orientierung:
Autoflower-Typ
Gesamtdauer (Keimung bis Ernte)
Blütezeit
Schnelle Autoflower (z. B. Quick One)
8 – 9 Wochen
5 – 6 Wochen
Standard Autoflower
10 – 12 Wochen
6 – 8 Wochen
XL / Super Autoflower
12 – 14 Wochen
8 – 10 Wochen
Der große Vorteil von Autoflowering-Sorten liegt in der Planbarkeit: Die Gesamtdauer vom Samen bis zur Ernte ist relativ vorhersagbar und liegt bei den meisten Automatics zwischen 8 und 12 Wochen. Outdoor können erfahrene Grower in einer Saison sogar zwei aufeinanderfolgende Autoflower-Durchgänge realisieren, wenn sie früh genug im Frühling starten.
Allerdings gibt es auch Nachteile: Da die Vegetationsphase bei Autoflowers genetisch begrenzt ist, lassen sich Stressfaktoren in den ersten Wochen nur schwer kompensieren. Ein Fehler in der Keimungsphase oder ein Nährstoffproblem in Woche zwei kann die Pflanzengröße und damit den Ertrag dauerhaft beeinflussen. Erfahrungsgemäß profitieren Autoflowers besonders von einem leichten, gut durchlüfteten Substrat und einer zurückhaltenden Nährstoffgabe.
Wenn du statt mit Samen mit Cannabis-Stecklingen arbeitest, kannst du den Anbauzyklus deutlich verkürzen. Der Grund: Die Keimungsphase und die frühe Sämlingsphase entfallen komplett, da ein Steckling bereits eine bewurzelte, genetisch identische Kopie der Mutterpflanze ist.
Stecklinge vs. Samen: Zeitvergleich
Phase
Samen-Grow
Steckling-Grow
Keimung / Bewurzelung
1 – 2 Wochen
1 – 3 Wochen (Bewurzelung)
Sämlingsphase
1 – 3 Wochen
entfällt
Vegetationsphase
3 – 8 Wochen
2 – 4 Wochen
Blütephase
7 – 12 Wochen
7 – 12 Wochen (identisch)
Zeitersparnis gesamt
–
ca. 2 – 4 Wochen
Wie lange brauchen Stecklinge bis zur Ernte konkret? In der Praxis rechnen die meisten Grower mit einer Zeitersparnis von zwei bis vier Wochen gegenüber einem Samen-Grow. Die Blütephase selbst bleibt unverändert, denn sie wird durch die Genetik und den Lichtzyklus bestimmt – nicht durch die Vermehrungsart.
Ein weiterer Vorteil: Da Stecklinge genetische Klone sind, weißt du im Voraus, welche Blütezeit und welche Wuchseigenschaften deine Pflanze haben wird. Diese Vorhersagbarkeit macht die Anbauplanung – wie lange brauchen Stecklinge bis zur Blüte und bis zur finalen Ernte – deutlich einfacher als bei Samen, bei denen phänotypische Unterschiede auftreten können.
Tipp: Stecklinge eignen sich besonders gut für erfahrene Indoor-Grower, die bereits eine bewährte Mutterpflanze haben. Für Einsteiger sind feminisierte Samen oft die unkompliziertere Wahl, da sie keine Mutterpflanze voraussetzen.
Wie lange braucht Cannabis vom Samen bis zur Ernte?
Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte, wenn du den gesamten Zeitraum vom Samen ab rechnest? Kurz gesagt – die Dauer lässt sich nicht allgemeingültig benennen, sondern hängt sowohl von der Genetik (Indica oder Sativa), als auch von der Anbauart (indoor oder outdoor) sowie dem Lichtzyklus ab. Auch die jeweilige Cannabissorte ist entscheidend.
Automatics brauchen häufig nur 8 bis 12 Wochen, von der Keimung des Samens bis zur Ernte, während photoperiodische Sorten, die von der Tageslichtlänge abhängig sind, beim Outdoor-Anbau bis zu 24 Wochen oder sogar länger benötigen können.
Die folgende Übersicht fasst die typischen Zeiträume zusammen, wenn du mit hochwertigen Cannabis-Samen startest:
Anbauart & Genetik
Vegetationsphase
Blütephase
Gesamtdauer (Samen bis Ernte)
Autoflower (indoor/outdoor)
3 – 4 Wochen
5 – 8 Wochen
8 – 12 Wochen
Indica (indoor)
4 – 6 Wochen
7 – 9 Wochen
11 – 15 Wochen
Hybrid (indoor)
4 – 6 Wochen
8 – 10 Wochen
12 – 16 Wochen
Sativa (indoor)
4 – 8 Wochen
10 – 14 Wochen
14 – 22 Wochen
Photoperiodisch (outdoor, Mitteleuropa)
8 – 16 Wochen
8 – 12 Wochen
16 – 28 Wochen
Bedenke: Diese Zeitangaben beziehen sich auf die Ernte der frischen Blüten. Die anschließende Trocknung und Aushärtung (Curing) addiert nochmals zwei bis acht Wochen, bevor dein Cannabis wirklich „fertig“ ist. Dazu mehr im Abschnitt weiter unten.
Was beeinflusst die Erntedauer? Licht, Genetik, Substrat und Klima
Trichome unter dem Mikroskop: Klare Köpfe = unreif, milchig-weiß = optimaler Erntezeitpunkt, bernsteinfarben = späte Reife.
Die Zeitangaben in den vorherigen Abschnitten sind Richtwerte – in der Praxis gibt es zahlreiche Faktoren, die darüber entscheiden, ob deine Cannabispflanze am schnelleren oder langsameren Ende des Spektrums landet. Wenn du verstehst, welche Variablen die Erntedauer beeinflussen, kannst du deinen Grow gezielter planen.
Genetik: Der wichtigste Faktor
Die Genetik bestimmt den Rahmen, innerhalb dessen alle anderen Faktoren wirken. Indica-dominante Sorten stammen ursprünglich aus Regionen mit kurzen Sommern (z. B. Hindukusch) und haben sich auf schnelle Blütezyklen angepasst. Sativa-Sorten aus äquatornahen Regionen hingegen kennen ganzjährig nahezu gleiche Tageslängen und blühen entsprechend langsamer.
Lichtzyklus und Lichtintensität
Der Lichtzyklus ist bei photoperiodischen Sorten der Schalter zwischen Vegetationsphase und Blütephase. Indoor hast du die volle Kontrolle: Eine Umstellung auf 12/12 (12 Stunden Licht, 12 Stunden Dunkelheit) leitet die Blüte ein. Outdoor übernimmt die Natur diese Aufgabe im Spätsommer.
Neben dem Lichtzyklus spielt auch die Lichtintensität eine Rolle. Erfahrungsgemäß entwickeln Pflanzen unter leistungsstarken LED-Lampen dichtere Blüten und können die Blütephase etwas effizienter durchlaufen als unter schwächerer Beleuchtung. Die Blütezeit selbst verkürzt sich dadurch jedoch nicht wesentlich – sie ist genetisch festgelegt.
Substrat und Nährstoffversorgung
Das Anbaumedium beeinflusst vor allem die Wachstumsgeschwindigkeit in der Vegetationsphase. Hydroponische Systeme ermöglichen eine direkte Nährstoffaufnahme über die Wurzeln und können die vegetative Phase im Vergleich zu Erdsubstraten um ein bis zwei Wochen verkürzen. Auch Kokossubstrat liefert erfahrungsgemäß schnelleres Wurzelwachstum als klassische Blumenerde.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Cannabis gedeiht in der Vegetationsphase optimal bei Temperaturen zwischen 20 und 30 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 40–70 %. In der Blütephase sind niedrigere Temperaturen (18–26 °C) und eine reduzierte Luftfeuchtigkeit (40–50 %) vorteilhaft, um Schimmelbildung zu vermeiden und die Harzproduktion anzuregen. Zu niedrige Temperaturen unter 15 °C können den Stoffwechsel verlangsamen und die Blütezeit verlängern.
Wann ist der richtige Erntezeitpunkt für Cannabis?
Nach der Ernte entscheiden Trocknung (7-14 Tage) und Curing (ab 2 Wochen) maßgeblich über Aroma und Qualität.
Der Erntezeitpunkt ist einer der kritischsten Momente im gesamten Grow-Zyklus – wann Cannabis ernten die beste Entscheidung ist, hängt nicht von einem festen Datum ab, sondern von den Signalen, die deine Pflanze dir gibt. Zu früh geerntet, haben sich die Wirkstoffe noch nicht voll entwickelt. Zu spät geerntet, bauen sich bestimmte Cannabinoide bereits ab.
Die meisten Anbauer entscheiden sich dann mit der Ernte zu beginnen, wenn rund 70 % der Trichome milchig oder trüb sind und die Blütenkelche prall gefüllt scheinen. Um die Trichome besser beurteilen zu können, solltest du deine Knospen mit einem Taschenmikroskop (30-60x Vergrößerung) oder einer Juwelierlupe untersuchen. Das bloße Auge reicht hierfür nicht aus.
Neben den Trichomen geben dir auch die Pistillen (Blütenstempel) Hinweise: Wenn 70-90 % der einst weißen Pistillen sich orange bis braun verfärbt haben und eingerollt sind, nähert sich deine Pflanze der Erntereife. Allerdings sind Pistillen allein kein zuverlässiger Indikator – Umweltfaktoren wie Wind oder Regen können sie vorzeitig verfärben. Deshalb gilt: Trichome prüfen hat Vorrang.
Erntereife erkennen: Trichome, Pistillen und Blütenstempel richtig beurteilen
Die sicherste Methode, um zu bestimmen, wann deine Cannabispflanze cannabis-erntereif ist, ist die Beurteilung der Trichome – jener winzigen, pilzförmigen Harzdrüsen auf den Blüten, die Cannabinoide und Terpene (die aromatischen Verbindungen der Pflanze) produzieren. Mit einem Taschenmikroskop erkennst du drei Reifestadien:
Klare, durchsichtige Trichome – Die Pflanze ist noch nicht reif. Die Cannabinoid-Produktion ist im vollen Gange, aber noch nicht abgeschlossen. Jetzt zu ernten würde ein schwaches, unreifes Ergebnis liefern. → Noch nicht ernten.
Milchig-weiße, trübe Trichome – Der optimale Erntezeitpunkt für die meisten Grower. Die Cannabinoid-Konzentration hat ihren Höhepunkt erreicht. Anwender beschreiben die Wirkung von zu diesem Zeitpunkt geerntetem Cannabis häufig als mental anregend und klar. → Idealer Erntebeginn.
Bernsteinfarbene (amber) Trichome – Ein zunehmender Anteil bernsteinfarbener Trichome deutet auf fortschreitende Reife hin. THC beginnt sich teilweise in CBN umzuwandeln. Viele Anwender berichten von einer eher körperlich entspannenden, sedierenden Wirkung. → Späte Ernte für ein beruhigenderes Profil.
Faustregel für den Erntezeitpunkt: Die meisten Grower ernten, wenn ca. 70–80 % der Trichome milchig und 10–20 % bernsteinfarben sind. Dieses Verhältnis liefert erfahrungsgemäß ein ausgewogenes Wirkprofil. Je höher der Bernstein-Anteil, desto ausgeprägter die körperliche Entspannung.
Trichome erntereif: Blütezeit nach Genetik
Wann du die Trichome zum ersten Mal prüfen solltest, hängt von der Genetik ab. Die folgende Tabelle zeigt, ab welcher Blütewoche die Erntereife-Kontrolle beginnen sollte:
Genetik
Blütezeit (Richtwert)
Trichom-Kontrolle ab Blütewoche
Indica-dominant
7 – 9 Wochen
Woche 6
Hybrid
8 – 10 Wochen
Woche 7
Sativa-dominant
10 – 14 Wochen
Woche 8
Autoflowering
5 – 10 Wochen
Woche 5
Typische Fehler bei der Erntebeurteilung
Erfahrungsgemäß machen vor allem Einsteiger diese vermeidbaren Fehler beim Bestimmen des Erntezeitpunkts:
Zu früh ernten aus Ungeduld: Cannabis, das vor der vollen Trichom-Reife geerntet wird, hat ein deutlich schwächeres Cannabinoid- und Terpenprofil. Die letzten zwei Wochen der Blüte machen oft den entscheidenden Unterschied.
Nur Pistillen beurteilen: Braune Pistillen sind ein grober Anhaltspunkt, aber kein verlässlicher Indikator. Stress durch Wind, Licht oder Nährstoffmangel kann Pistillen vorzeitig verfärben.
Trichome nur an Blättern prüfen: Die Trichome auf den Zuckerblättern (sugar leaves) reifen oft schneller als jene auf den Blütenkelchen (Calyxen). Prüfe immer die Trichome direkt auf den Blüten – sie sind maßgeblich.
Zu spät ernten: Ein zu hoher Anteil bernsteinfarbener Trichome (über 30-40 %) kann auf fortgeschrittenen Cannabinoid-Abbau hindeuten. Das Ergebnis wird als schwer und sehr sedierend beschrieben.
Nach der Ernte: Cannabis richtig trocknen und aushärten (Curing)
Mit dem Schnitt der Blüten ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Das richtige Trocknen und Aushärten – im Fachjargon „Curing“ genannt – entscheidet maßgeblich über die finale Qualität deines Cannabis. Viele Grower investieren Monate in den Anbau und vernachlässigen dann ausgerechnet diesen letzten, entscheidenden Schritt. Wenn du wissen willst, wie der gesamte Ernteprozess im Detail funktioniert, haben wir dazu einen eigenen Ratgeber.
Cannabis richtig trocknen: So geht’s
Direkt nach der Ernte solltest du die Blüten langsam und kontrolliert trocknen. Hier die wichtigsten Parameter:
Temperatur: 18-22 °C (zu warm = zu schnelle Trocknung, Terpenverlust)
Luftzirkulation: Leichte Belüftung, aber kein Ventilator direkt auf die Blüten richten
Licht: Dunkelheit oder sehr schwaches Licht (Licht baut Cannabinoide ab)
Dauer: 7-14 Tage, bis sich die dünnen Stiele knackend brechen lassen
In der Praxis zeigt sich, dass eine langsame Trocknung über mindestens 10 Tage ein deutlich besseres Aroma liefert als ein beschleunigter Prozess. Vermeide es, Cannabisblüten im Backofen, in der Mikrowelle oder mit einem Föhn zu trocknen – dies zerstört Terpene und Cannabinoide und führt zu einem harschen, unangenehmen Ergebnis.
Curing: Die Aushärtung für optimalen Geschmack
Nach der Trocknung folgt die Aushärtung (Curing) in luftdichten Gläsern. Dabei werden die getrockneten Blüten in Mason Jars oder vergleichbare Behälter gefüllt (etwa zu zwei Dritteln) und über mehrere Wochen „nachreifen“ gelassen:
Woche 1-2: Gläser täglich für 10-15 Minuten öffnen („Burping“), um Feuchtigkeit und Gase entweichen zu lassen
Woche 3-4: Öffnungsintervall auf alle 2-3 Tage reduzieren
Ab Woche 4: Minimales Curing abgeschlossen – viele Grower aushärten 6-8 Wochen oder länger für optimale Ergebnisse
Während des Curing-Prozesses bauen Enzyme restliches Chlorophyll ab, was den typisch „grasigen“ Geschmack frisch getrockneter Blüten beseitigt. Gleichzeitig entwickelt sich das Terpenprofil weiter – das Cannabis wird aromatischer und sanfter. Erfahrungsgemäß merken selbst Einsteiger den Unterschied zwischen zwei und sechs Wochen Curing deutlich.
Praxis-Tipp: Investiere in ein kleines Hygrometer für deine Curing-Gläser. Die optimale relative Luftfeuchtigkeit im Glas liegt bei 58-62 %. Spezielle Feuchtigkeitsregulierer (Boveda-Packs oder ähnliche Produkte) können dabei helfen, diesen Wert stabil zu halten.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie lange braucht eine Cannabispflanze bis zur Ernte?
Wie lange eine Cannabispflanze bis zur Ernte braucht, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern kommt unter anderem auf die Anbauart, die ausgesuchte Sorte sowie die Umweltbedingungen an. Autoflowers benötigen typischerweise 8-12 Wochen ab Keimung. Photoperiodische Indica-Sorten kommen indoor auf ca. 11-15 Wochen, Sativa-Sorten auf 14-22 Wochen. Outdoor hängt alles zusätzlich von der Saison und dem Breitengrad ab.
Wie lange dauert es, bis eine Cannabispflanze blüht?
Es dauert rund 1-2 Wochen, bis eine photoperiodische Cannabispflanze (indoor) nach der Lichtumstellung auf 12/12 sichtbar blüht. Outdoor wird die Blütephase durch die natürlichen Lichtverhältnisse eingeleitet – konkret durch die Verkürzung der Tageslichtstunden im Spätsommer. Autoflowers gehen unabhängig vom Lichtzyklus nach 3-4 Wochen vegetativer Phase selbstständig in die Blüte über.
Wie sieht eine erntereife Cannabispflanze aus?
Eine erntereife Cannabispflanze zeigt mehrere sichtbare Merkmale: Die Blütenkelche sind prall und geschwollen, 70-90 % der Pistillen (Blütenstempel) haben sich von weiß zu orange-braun verfärbt und gerollt. Das wichtigste Erkennungsmerkmal sind die Trichome - unter dem Mikroskop sollten sie überwiegend milchig-weiß erscheinen, mit einem Anteil bernsteinfarbener Trichome. Die großen Fächerblätter beginnen oft, sich gelb zu verfärben und abzufallen.
Wie oft kann man von einer Cannabispflanze ernten?
Bei photoperiodischen Sorten ist in der Regel eine Ernte pro Pflanze und Zyklus vorgesehen. Es gibt zwar die Technik des „Re-Vegging" (Rückführung einer geernteten Pflanze in die Vegetationsphase durch Lichtumstellung auf 18/6), dieser Prozess dauert jedoch mehrere Wochen und liefert erfahrungsgemäß bei der zweiten Blüte geringere Qualität. Die meisten Grower starten nach der Ernte lieber einen neuen Durchgang mit frischen Samen oder Stecklingen.
Wann gehen photoperiodische Cannabispflanzen in die Blüte?
Photoperiodische (auch feminisierte) Cannabispflanzen werden durch den Lichtzyklus gesteuert. Indoor leitest du die Blüte ein, indem du die Beleuchtung auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit umstellst. Outdoor geschieht dies auf natürliche Weise, wenn die Tage im Spätsommer kürzer werden – in Mitteleuropa typischerweise ab Ende Juli bis Mitte August. Die ersten sichtbaren Blütenansätze zeigen sich meist 1-2 Wochen nach der Umstellung.
Wie viel wächst eine Cannabispflanze pro Tag?
In der vegetativen Phase können gesunde Cannabispflanzen unter optimalen Bedingungen (ausreichend Licht, Nährstoffe und Wasser) ein bis fünf Zentimeter pro Tag wachsen. Sativa-dominante Sorten neigen zu stärkerem Höhenwachstum als kompakte Indica-Genetiken. Zu Beginn der Blütephase erleben viele Sorten einen sogenannten „Stretch" - einen Wachstumsschub von bis zu zwei Wochen, in dem sich die Pflanze nochmals deutlich strecken kann, bevor sie ihre Energie in die Blütenbildung umleitet.
Hinweis: Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an volljährige Personen ab 18 Jahren. Die bereitgestellten Informationen dienen der Wissensvermittlung im Rahmen des legalen Eigenanbaus nach KCanG und stellen keine Aufforderung zum Konsum oder zum Verstoß gegen geltendes Recht dar. CBD-Blüten sind in Deutschland als Aromaprodukte deklariert und nicht zum Verzehr bestimmt.
Kris Pribicevic ist ein renommierter CBD-Experte mit hunderten veröffentlichten Artikeln zu CBD & Cannabis. Als anerkannte Autorität in Deutschland ist er eine treibende Kraft in der Branche.